Als «kleines Wölfli» der Pfadi Musegg gehörte er zur Abteilung Zytturm. Deshalb hat Staatsschreiber Vincenz Blaser bis heute eine besondere Beziehung zu diesem Museggturm. Ihm gefällt, dass der Zytturm die Stunden etwas früher schlägt.

Wann warst du das erste Mal auf der Museggmauer?

Mit sieben oder acht Jahren als kleines Wölfli der Pfadi Musegg. Ich bin zwar in Horw und Kriens aufgewachsen, doch Jugendfreunde in der Stadt haben mich mitgenommen. So wurde ich Museggler in der Abteilung Zytturm.

Wann warst du das letzte Mal auf der Mauer?

Ich bin regelmässig auf der Museggmauer. Schliesslich wohne ich in der Nachbarschaft und kann vom Garten aus einen Ausschnitt der Mauer sehen. Auch führt mein Arbeitsweg unter dem Schirmerturm durch. Wenn wir Besuch aus dem Ausland oder aus der Schweiz haben, ist es für mich selbstverständlich, ihnen dieses mittelalterliche Bauwerk zu zeigen – mit der tollen Sicht auf die Stadt Luzern.

Was fasziniert dich besonders an der Museggmauer?

Als Kind hat mich natürlich fasziniert, dass Luzern eine Stadtmauer mit so vielen Türmen hat, also einen Befestigungswall gegen allfällige Eroberer! Wir waren fasziniert von der Vorstellung, dass sie damals auf den Zinnen gekämpft haben. Auch haben wir uns gefragt, ob im Burggraben wohl Überreste dieser Gefechte zu finden seien. Unsere damalige Geschichtslehrerin hat diese Fantasien dann etwas gedämpft und uns belehrt, dass die Museggmauer als Krone der Stadt Luzern eine vorwiegend repräsentative Funktion hatte. Diese nüchterne Einordnung hat uns Kinder nicht so gefallen.

Welches ist dein Lieblingsturm?

Natürlich der Zytturm! Warum? Weil ich immer noch
ein Zyttürmler bin! Mir gefällt vor allem, dass der
Zytturm vor den anderen Kirchtürmen die Stunden
schlagen darf. Das packt mich immer wieder.

Welche Bedeutung hat die Museggmauer für Stadt und Quartier?

Ich finde es fantastisch, dass die mittelalterliche Mauer samt den Türmen auf Initiative von Einzelpersonen saniert wurde und damit für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt. So kommt Leben in das alte Gemäuer! Auch gefällt mir die ökologische Vielfalt der Mauer – mit den Dohlen, Gänsesägern oder Fledermäusen. Das ist ein Lebensraum, der zu unserem Quartier gehört und Identifikation schafft. Zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen gehören übrigens auch die Spaziergänge mit meiner Grosstante von der Spitalstrasse, wo sie wohnte, über den Bramberg und durch das Schirmertor an den Markt in der Stadt.

Im 14. Jahrhundert, beim Bau der Museggmauer, gab es keinen Kanton Luzern. Wärst du damals gerne Stadtschreiber des Stadtkantons Luzern gewesen?

Eine reizvolle Vorstellung, als Stadtschreiber bei diesen Bauten dabei gewesen zu sein! Wenn wir den Zeitsprung ins Mittelalter denn machen könnten: Mich würde vor allem interessieren, wie damals die Wege über den Bramberg und durch den Schirmerturm verlaufen sind und wer sie genutzt hat. Oder hatte die Museggmauer im Alltag der Stadtbewohner gar keine so grosse Bedeutung?

Jedes Schulkind sollte einmal auf die Museggmauer.

Gilt das auch für Regierungsräte? Warum nicht? Ich vermute, dass jede Regierungsrätin, jeder Regierungsrat und ein Grossteil der Kantonsrätinnen und Kantonsräte schon einmal auf der Museggmauer war. Während früher vor allem Löwendenkmal und Kapellbrücke als touristische Attraktionen galten, ist heute auch die Museggmauer gefragt. Das belegen die über 100‘000 Besucherinnen und Besucher, die dieses besondere Bauwerk erleben wollen.

Vincenz Blaser (59) ist seit 2020 Staatsschreiber des Kantons Luzern. Zuvor war der Jurist und Anwalt beim Gericht, bei der Polizei und beim Justizdepartement tätig. Blaser ist in Horw und Kriens aufgewachsen, seit 1997 wohnt er mit seiner Familie im Bramberg-Quartier. Wenn er Zeit hat, joggt er – mit Vorliebe zum Sedel. Oder er restauriert in seiner Werkstatt in der Viscosistadt alte Töfflis, mit denen er zuweilen unterwegs ist.

Dieses Interview erschien in der Museggmauer Zytig. Sie erscheint jährlich und wird in gedruckter Form den Mitgliedern verteilt. Sie kann auch online nachgelesen werden: