Ein Rückblick auf 20 Jahre Verein und eine feminine Annäherung – das spätmittelalterliche Befestigungswerk mit seinen neun Türmen hat nach der umfassenden historischen Sanierung wieder grossartige Strahlkraft – und ist seit 20 Jahren in Frauenhand. Helen Haas-Peter, Christine Zemp Gsponer, Claudia Huser – die Vereins-Präsidentinnen dieser bedeutenden 20 Jahre. Die langjährigen verdienstvollen Stiftungsratspräsidenten Dr. med. Hansruedi Korber und Beat Fischer haben zweifellos ein Herz für eine feminine Betrachtungsweise.

Gehen wir den Spuren nach. Helen Haas-Peter hat im Grossen Stadtrat 1998 mit einem Postulat die Sanierung der Museggmauer und der Türme angeregt und dann als Präsidentin des Vereins den historischen Erneuerungsprozess souverän begleitet, unterstützt von der Stiftung mit Beat Fischer. Beide sind verdientermassen mit der Ehrennadel der Stadt Luzern ausgezeichnet worden. Christine Zemp Gsponer hat in der Folge den Verein etabliert und zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Behörden und Bevölkerung geführt. Und die Dritte im Bunde, die GLP Fraktionschefin im Kantonsrat, Claudia Huser, steht für die Zukunft und will Aufbruch erzeugen. In den beiden letzten Jahren mit der Pandemie nicht einfach.

Doch was waren und sind die tatsächlichen Herausforderungen? Das Gespräch mit den drei Präsidentinnen der letzten 20 Jahre führte Sereina Schmidt.

Liebe Helen, wie ist die Idee des Vereins eigentlich entstanden?
Ich selber war damals Grossstadträtin. Die Sanierung der Museggmauer war in der Finanzkommission, bei der ich dabei war, im Parlament bei jeder Budgetberatung ein Thema. Man wusste, dass die Mauer in einem schlechten Zustand war, bezahlte jährlich 120’000 Franken für Unterhaltsarbeiten, wollte aber aus finanziellen Gründen keine Sanierung in die Wege leiten. 1998 reichte ich selbst ein Postulat zur Sanierung mit einer Quadratmeteraktion ein, welches abgelehnt wurde. Das hat mich motiviert nach Lösungen zu suchen, denn ich wusste, die Sanierung war dringend notwendig. Via Zunft zu Safran fand ich schliesslich Mitstreiter. Am 12. August 2002 gründeten Dr. med. Josef E. Hug, Beat Lötscher, Ein Rückblick auf 20 Jahre Verein und eine feminine Annäherung – das spätmittelalterliche Befestigungswerk mit seinen neun Türmen hat nach der umfassenden historischen Sanierung wieder grossartige Strahlkraft – und ist seit 20 Jahren in Frauenhand. Helen Haas-Peter, Christine Zemp Gsponer, Claudia Huser – die Vereins-Präsidentinnen dieser bedeutenden 20 Jahre. Die langjährigen verdienstvollen Stiftungsratspräsidenten Dr. med. Hansruedi Korber und Beat Fischer haben zweifellos ein Herz für eine feminine Betrachtungsweise. Verein und Stiftung für die Erhaltung der MUSEGGMAUER Menschen und Mauern bewegen. Dr. Ueli Habegger, Walter Schmid und ich den Verein. Der Startschuss war gegeben.

Was waren die ersten grossen Herausforderungen für dich Helen?
Die Stadt war aus finanzieller Sicht nicht bereit, einem Verein Geld zur Verfügung zu stellen, also musste zusätzlich eine Stiftung her, welche wir 2003 gründeten. Stadt (Stadtrat Dr. Franz Müller) und Kanton (Dr. Hansruedi Burri) stellten je einen Stiftungsrat, Dr. med. Hansruedi Korber, Dr. jur. Thomas Ineichen, Otto Wyss und ich ergänzten das Team. Am 1. April 2004 stimmte der Grosse Stadtrat schlussendlich mit 24 Ja- zu 16 Nein-Stimmen und einer Enthaltung einem Bau und Unterhaltsbeitrag zu. Von geschätzten 12 Mio. Franken Sanierungskosten mussten der Verein und die Stiftung daraufhin 4.2 Mio. Franken selber auftreiben.
Die grosse Herausforderung bestand anschliessend darin, die Bevölkerung zu überzeugen, dass «Private» Geld für die Sanierung der Museggmauer benötigten und nicht die Stadt dies übernehmen würde. Sie hatten ja recht damit, dass die Sanierung die Aufgabe der Stadt und nicht von Privaten sei.

Hast du je an dem Projekt gezweifelt?
Gab es Zeiten, wo du den sprichwörtlichen Bettel hinwerfen wolltest? Nein, ich war überzeugt, dass wir es schaffen würden. Wir alle standen hinter dem Projekt und es bestand eine tolle Zusammenarbeit, die in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Beat Fischer als zweiter Stiftungsratspräsident ab 2007 mit seinem grossen Beziehungsnetz und Gerry Leumann mit dem Fundraising haben dann dazu beigetragen, dass das Sammelergebnis von 4,2 Mio Franken erreicht wurde. Was uns noch mehr Energie gegeben hat.

Was waren besonders schöne Begegnungen oder Erlebnisse?
Davon gab es viele. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Begegnung mit einem Ehepaar. Nachdem ich ihnen das Projekt erläutert hatte, drückten sie mir 20’000 Franken bar in die Hand. Für sie war der Erhalt der Museggmauer wichtig und sie verfolgten unsere Arbeit genau. Ebenfalls in guter Erinnerung habe ich die vielen herzlichen Begegnungen, die freundschaftliche Zusammenarbeit mit Vorstand und Stiftungsrat und die beiden Führungen der Schulklassen meiner Grosskinder während der Bauphase. Meine Enkelin Jana meinte anschliessend: «Jetzt wisse sie, weshalb man zu solchen Bauten Sorge tragen müsse.»

Christine, was waren für dich die Herausforderungen und Ziele?
Die Mauer war jetzt zwar saniert, aber es ging darum, dass sie trotzdem noch Aufmerksamkeit bekommt. Wir haben daraufhin entschieden die Museggzytig weiterzuführen, am öffentlichwirksamen Tag der offenen Museggtürme weiterhin festzuhalten und ein neues Gefäss mit dem Musegg-Träff zu eröffnen, was über die Jahre zu einem Höhepunkt wurde. Damit kann man den Mitgliedern einen echten Mehrwert bieten. Erklärtes Ziel war immer, mit den Mitgliedern in Kontakt zu bleiben. Das war sehr wichtig. Denn das Alter der Mitglieder des Vereins und der damit verbundene Mitgliederschwund war ein Thema.

Was hast du neu eingeführt?
Was ich neu initiiert hatte und sehr wichtig war, war der Kontakt und der Austausch von allen an der Mauer. Daraus ist das jährliche Präsidententreffen entstanden. Das heisst, ein regelmässiger Austausch zwischen Verein, Stiftung, Turmbetreibern, Kulturhof Hinter Musegg und der Stadt. Diese Vernetzung war und ist wichtig. An der hochkarätigen Delegation haben wir jeweils gemerkt, dass dies allen ein Anliegen ist. Zentral ist auch nach wie vor die Zusammenarbeit mit dem Kulturhof Hinter Musegg direkt an der Mauer.

Was ist aus deiner Sicht weiterhin wichtig?
Neben der Vernetzung mit allen «Protagonisten» an der Mauer ist die Verjüngung der Mitgliedschaft, beziehungsweise die Sensibilisierung des Themas bei jüngeren Generationen ins Auge zu fassen. Bei denen, welche die Sanierung nicht mehr mitbekommen haben, ist es wichtig regelmässig aufzuzeigen, wie schön und bedeutend die Museggmauer und ihre Türme sind.

Claudia, der Verein ist etabliert, die Sanierung abgeschlossen, was hat dich bewogen das Amt anzutreten?
Die Museggmauer ist einmalig, dazu gilt es Sorge zu tragen. Zudem lebe ich in Luzern, identifiziere mich klar mit der Stadt und dazu gehört auch die Museggmauer. Es tut gut, sich für etwas so Schönes und Wertvolles einzusetzen.

Wo siehst du die zukünftige Aufgabe des Vereins? Was kann man mit dem Verein bewegen?
Den Verein gibt es seit 20 Jahren, Sanierung und Unterhalt sind gesichert. Jetzt geht es darum die Mauer weiter attraktiver zu gestalten und zwar bei der lokalen Bevölkerung. Schönes wird oft als selbstverständlich genommen. Dazu haben wir z. B. verschiedene Filme gedreht, die wir noch in diesem Jahr öffentlich präsentieren werden. Weiter möchten wir die Mauer auch für Schulklassen und Kinder spannender gestalten. Meine persönliche Vision wäre eine Operette des Luzerner Theaters auf und vor der Mauer aufzuführen. Wir sehen unsere Aufgabe aber auch klar als Lobby für die Mauer. Verdichtung und Erreichbarkeit der Stadt sind Themen, die auch die Mauer betreffen. Uns ist wichtig, dass die Mauer «eine Stimme » hat.

Wie ist der Austausch mit den Turmbetreibern und dem Kulturhof Hinter Musegg?
Den Austausch schätze ich sehr und er ist auch sehr wichtig. Die Vereine in den Türmen agieren unter dem Jahr sehr selbständig und schätzen dann aber auch das Zusammenkommen, denn die Anliegen sind sehr ähnlich. Wir als Verein haben ja weder bauliche noch finanzielle Ziele, wenn es um die Mauer geht. Das ist sehr gut so, denn so agieren wir als Bindeglied zwischen Stadt, Turmbetreibern und Stiftung. Der Kulturhof belebt mit seinem Engagement auch die Museggmauer und Walter Fassbind als Mauerwart nimmt eine wichtige verbindende Rolle ein.


Helen Haas-Peter: Verheiratet mit Rolf Haas, drei erwachsene Kinder, sieben Enkelkinder. Sie war von 1991 bis 2004 Mitglied des Grossen Stadtrats von Luzern (CVP). Von 2002 bis nach der abgeschlossenen Sanierung Ende 2015 präsidierte sie den Verein für die Erhaltung der Museggmauer und vertrat diesen ab 2003 im Stiftungsrat und der Baukommission. 2015 wurde sie mit der Ehrennadel von der Stadt Luzern für ihre Verdienste ausgezeichnet.

Christine Zemp Gsponer: Verheiratet mit Daniel Gsponer. Mutter zweier Teenager. Christine Zemp Gsponer ist selbständige Anwältin und Notarin in Luzern. Von 2016 (mit Anfrage und Einführung ab Herbst 2014) bis 2020 war sie Präsidentin des Vereins.

Claudia Huser: Aufgewachsen in Nidwalden, wohnhaft in Luzern, verheiratet mit Andreas Barmettler, ausgebildete Arbeits- und Organisationspsychologin, aktuell tätig als Stv. Geschäftsführerin der Viscosuisse Immobilien AG & Stiftung, Kantonsrätin und Fraktionspräsidentin der glp seit 2015.